Stress: Das geschieht in deinem Körper

Zwei Wege der Kommunikation

 
 
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„Ruf zu den Waffen“ - Adrenalin

Unser Gehirn zählt zu den komplexesten Gebilden auf diesem Planeten. Dementsprechend ist auch eine Stressreaktion im Gehirn alles andere als banal. Da der Organismus sich möglichst gut an die Anforderungen der Umwelt anpassen möchte, gibt es gleich zwei Systeme, die unsere Alarmglocken schrillen lassen. Eine dieser Systeme ist die so genannte Sympathikus-Nebennierenmark-Achse: Wenn ein Stressreiz von außen wahrgenommen wird, entstehen Emotionen wie Wut oder Angst. Dies führt zu einer erhöhten Menge Adrenalin im Blut. Evolutionsbiologisch hatte dies den Vorteil, dass der Körper fluchtbereit gemacht wurde: Der Herzschlag geht schneller, die Muskulatur ist aktiviert, die Konzentration wird kurzfristig gesteigert, Verdauung (hinderlich bei Kampf oder Flucht) wird vermindert, ebenso der Appetit.) Innerhalb von Sekunden führt das Noradrenalin dazu, dass der Sympathikus aktiviert wird: Ein Nervenstrang, der entlang der Wirbelsäule vom Gehirn zu den Organe läuft und quasi direkt – von Nervenzelle zu Nervenzelle – die Information „Achtung, Stress“ weitersendet. Man spricht von „trockener Kommunikation“, weil die Informationen direkt über die Nerven, nicht über das Blut, weitergegeben werden. Dieses Stressalarmsystem ist deutlich schneller, weil es direkt agiert. Unter anderem „sagt“ der Sympathikus der Nebenniere, dass sie noch mehr Adrenalin ausstoßen muss. Erst wenn der Stress wieder vorbei ist, merkt der Körper, dass er das Adrenalin langsam wieder abbauen kann. Schwierig wird es, wenn bei Dauerstress diese wichtige Erfahrung nicht gemacht werden kann. Dies führt dazu, dass der Adrenalin-Spiegel permanent im „Hochstress“-Modus ist und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nur zwei der vielen Folgen, die dieser künstliche Dauerstress mit sich bringen kann. Durch den permanent hohen Blutdruck werden die Gefäßwände überlastet – es kann zu Arteriosklerose kommen. Durch den erhöhten Blutzucker (Adrenalin sorgt ebenfalls dafür, dass der Blutzucker hoch ist –so kann der Körper kurzfristig hohe Leistungen bringen und „kämpfen“ oder „flüchten“). Die Folge davon kann Diabetes II sein. Auch bei Schweißausbrüchen, Herzrasen oder starken Kopfschmerzen kann der hohe Blutdruck durch eine hohe Adrenalin-Konzentration dahinter stecken. Durch Maßnahmen wie Sport kann das überschüssige Adrenalin wieder abgebaut werden. Hält der Stress dauerhaft an, wird das zweite Stresssystem aktiviert – die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse.

„Nachschub für die Soldaten“ - Kortisol

Die zweite Stressachse ist die so genannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Im Hypothalamus (der „Schaltzentrale“ des Gehirns) kommt es zur Ausschüttung des Hormons CRF (Corticotropin-Releasing-Faktor). Dieses gelang über die Gefäße zur Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, wo das Hormon ACTH (Adrenokortikotropin) freigesetzt wird. Wiederum über den Blutkreislauf gelangt ACTH zur Nebenniere, die Kortisol freisetzt. Dieses Hormon ist sehr vielseitig und erlaubt eine breite Anpassung an Stress: von der Regulierung des Blutzuckers bis zur Beeinflussung des Immunsystems. Unser Körper ist so intelligent, dass er über ein Rückkopplungs-System verfügt: Wenn zu viel Kortisol im Blut ist, wird im Gehirn weniger ACTH und CRF gebildet. Dadurch begrenzt sich die hormonelle Stressreaktion eigentlich von selbst. Außer, der Stress bleibt Dauerhaft und über lange Zeit bestehen oder aber in einer sehr intensiven Ausprägung erlebt.

Diese „nasse“ Kommunikation dauert länger, da sie erst indirekt über die Hormone im Blut agiert, Daher wird sie auch erst nach längerer Stressbelastung aktiviert. Ihre Aufgabe ist der Energienachschub, um dem dauerhaften Stress zu trotzen. Kortisol sorgt also dafür, bei längeren Herausforderungen stark und aktiv zu bleiben. Wenn der Stress jedoch chronisch ist, hat das schwerwiegende Folgen. Da Kortisol auch entzündungshemmend wirkt, werden Menschen mit Dauerstress immer dann krank, wenn sie endlich entspannen dürfen: Das Kortisollevel darf endlich sinken, jetzt kommen die bisher unterdrückten Entzündungsvorgänge und Krankheiten. Kortisol braucht zudem viel Energie. Daher kommt es in stressigen Zeiten oft zu Heißhunger auf hochkalorische Lebensmittel wie Fast Food oder Schokolade. Im Gehirn kann dauerhaft hohes Kortisol den Hippocampus (ein Bereich, der für Lernen und Erinnern zuständig ist) schädigen und zu frühzeitigem Altern dieser Region führen. Konzentrationsschwierigkeiten können die Folge sein. Für den gesunden Schlaf ist Kortisol absolut schädlich: Schließlich hat es die Aufgabe, Energie zu liefern und den Körper wach zu halten, daher hemmt es auch die für den erholsamen Schlaf so wichtige Produktion von Melatonin.

 

Dieser kurze Überblick zeigt, welche Auswirkungen Stress auf unseren Körper, unseren Hormonhaushalt und unsere Gesundheit hat. Darum ist es umso wichtiger, in unserer hektischen Zeit möglichst gut mit Stress umgehen zu lernen.

 

 
Philipp Lublasser